Im Bann… des schlechten Stiles

Nachdem ich jetzt erst einmal eine Weile quer Beet gelesen habe, hat mich ein Leseexemplar des Randomhouse-Verlags erreicht. Es ist das Buch „Im Bann der Jägerin“ von Christine Feehan, ein Fantasyroman mit stolzen 542 Seiten und Anhang und das zwölfte Buch einer Reihe. Also schön dick und nicht gleich ausgelesen. Trotzdem habe ich dafür weniger als zwei Stunden benötigt.

Lasst mich erklären…

silver-1585005_960_720Inhalt:

Sie sind die Schattengänger, eine Gruppe herausragender Kämpfer, deren Fähigkeiten von dem ebenso brillanten wie gefährlichen Wissenschaftler Dr. Peter Whitney verstärkt wurden. Eine von ihnen ist die betörend schöne Cayenne, deren Kuss so giftig ist wie der Biss einer Spinne. Dass sie selbst eine tödliche Falle für jeden Mann ist, der ihr zu nahe kommt, stört Cayenne eigentlich nicht so sehr-bis sie den attraktiven Trap Dawkins kennenlernt. Wird sie ihre Leidenschaft zügeln können, oder bringt ihre unwiderstehliche Anziehungskraft den Mann, den sie liebt, in Lebensgefahr?

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Fangen wir also mit dem vollkommen irreführenden Cover an. Das Cover, rot und mit einer ziemlich stark geschminkten Frau, so wie ein paar Fledermäusen und einer Stadt im Hintergrund, sieht nach einem ausgefallenen Vampirroman aus. Allein der Fakt, dass die Frau keine Vampirzähne hat, hält einen davon ab das anzunehmen. Ließt man aber den Klappentext, wird man auf eine ganz andere Fährte geleitet. Es wirkt so, als sei Cayennes Kuss giftig. Das heißt, dass jeder Kuss giftig ist… Tja, so ziemlich am Anfang küsst sie Trap und er überlebt es. Leider. Außerdem ist es von Anfang an klar, dass dieser Biss giftig wie der einer schwarzen Witwe ist. Es ist also sinnlos einfach nur zu schreiben, dass er giftig wie der einer Spinne ist.

Doch das sind nur kleine Spitzfindigkeiten, die man ignorieren kann.

Nicht ignorieren kann man aber den letzten Satz. Denn der bildet eigentlich das Grundproblem dieses Buches.

„Im Bann der Jägerin“ ist nichts weiter als ein schlecht getarnter Sexroman, mit flachen Dialogen und noch flacheren Charakteren! Schnell ist klar, dass es nur darum geht, dass Cayenne und Trap sich wollen, doch Cayenne sich gerne ziert. Blättert man dann ein wenig weiter, finden wir Sexismus pur und auch ein bisschen Perversität.

Wir alle kennen unsere heiß geliebten Romane wie etwa „Fifthy Shades of Gray“. Doch da weiß jeder, dass es nur um Sex geht. Gut platziert habe ich mit Sexszenen überhaupt kein Problem (z.B. in den „Die Gilde der Jäger“ Büchern), denn da gibt es einen gut beschriebenen und fesselnden Handlungsstrang.

Doch nach den ersten zwei Kapiteln war ich bereits gewillt das Buch wieder weg zu legen, weil es nur aus Sätzen wie: „Ihr Anblick raubte ihm buchstäblich den Atem, doch da er wusste, dass die Wyatt ihn genau beobachtete, ließ er sich nichts anmerken. Trotzdem konnte er nicht so schnell weg schauen, wie er es gewollte hätte.“ besteht.

Der Satz ist ein einziger Widerspruch, denn im Endeffekt sieht er dann doch so lange hin, bis auch der letzte besoffen Kneipengast mitbekommen hat, dass er das Objekt seiner Begierde betrachtet. Und so geht das immer weiter. Er weiß Sachen, die in Cayennes Kopf vorgehen, die er gar nicht wissen kann. Klar, Frau Feehan als Autorin weiß, was ihre Charaktere denken. Doch sie macht mehr als einmal den Fehler, dass wir als Leser und auch Trap das nicht wissen. Außerdem hat Cayenne auf einmal eine erstaunlich gute Menschenkenntnis und erkennt sofort, dass Trap kein Kneipengänger ist, obwohl man zuvor erfährt, dass sie ihr ganzes Leben in einem Kellerloch gelebt hat.

Und so könnte ich immer weiter schreiben. Von den geschmacklosen Sexszenen bis hin zu den schizophrenen Charakteren.

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Charaktere:

Ihr werdet ja jetzt schon einiges mitbekommen haben. Doch hier noch einmal eine etwas nähere Beschreibung.

Cayenne: Angeblich super gefährlich, absolut sexy und fähig, sich selbst zu verteidigen- was sie letztendlich doch nicht kann. Sie ist sehr schreckhaft, beißt gerne Bösewichte und raubt sie dann aus oder tötet sie. Dabei hat sie augenscheinlich kein schlechtes Gewissen. Aber das Geld von Trap oder Essen von Wyatts Großmutter anzunehmen, das geht nicht. Sie fühlt sich äußerst von Trap angezogen, knutscht mit ihm als gäbe es keinen Morgen (nicht meine, sondern Wyatts Worte) und knallt ihm dann ins Gesicht, dass sie nicht länger „nett“ zueinander sein könnten.

Außerdem ist sie äußerst intelligent.

 

Trap: Trap hat eine erstaunlich unrealistische Vergangenheit, in der er in jungen Jahren seine gesamte Familie verloren und einen Haufen Geld gemacht hat, nur um dann auch noch seine Tante zu verlieren. Er ist ein Genie, geht aber lieber zur Armee und wird Schattengänger (die Schreibkorrektur zeigt mir hier „Schürzenjäger“, passt auch besser).

Während er in der Bar sitzt, ein Bier nach dem anderen trinkt und dabei eifersüchtig zu Cayenne hinüber schielt, stellt er mindestens drei Seiten lang Berechnungen an, wie viele Erdnussschalen auf dem Boden liegen. Daran beteiligt sich dann auch noch sein Freund und später sogar Cayenne. Ab da weiß Trap, dass sie seelenverwandt sind.

Einerseits soll er überdurchschnittlich intelligent sein, doch andererseits ist er auch ein Draufgänger und Sexsist, wobei er immer wieder „Baby“ zu Cayenne sagt, was mir einen Würgereiz beschert. Die Beziehung ist wie: „Na, wer ist dein Daddy?“ und dann ganz hol: „Du. Gib mir mehr. Oh ja, ich habe gerade mein erstes Mal und es tut höllisch weh, trotzdem habe ich einen Orgasmus. Und das drei Mal.“. Ungelogen.

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Fazit:

Ich kann diesem Buch nichts abgewinnen. Für die vielen Fans dieser Reihe tut es mir aufrichtig Leid, vielleicht habe ich ja nicht lang genug gelesen. Aber ein Buch sollte einen nicht nach fünf Kapiteln anbetteln, es ganz hinten ins Bücherregal zu legen. Offensichtlich ist entweder die Übersetzung schlecht und holperig, oder die Autorin weiß einfach nicht was sie will. Auch sollte man darauf achten, dass man aus einem Jugend- und Fantasyroman keinen Porno macht. Oder allenfalls darauf verweisen. Schizophrene Charaktere, flache Dialoge und nicht zu empfehlen. Wer es doch lesen will, sollte über sechzehn sein und viel Geduld aufbringen.

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Mehr:

  • Verlag: Heyne, Randomhouse Verlag
  • Autorin: Christine Feehan
  • Aus dem Amerikanischen von Ruth Sander
    Originaltitel: Spider Game – Ghostwalker Book 12
    Originalverlag: Jove
  • Taschenbuch, Broschur, 560 Seiten, 11,8 x 18,7 cm
  • ISBN: 978-3-453-31809-0
  • € 9,99 [D] | € 10,30 [A] | CHF 13,90* (* empfohlener Verkaufspreis)
  • Verlag:
  • Heyne Erschienen: 13.03.2017
  • LESEPROBE: 9783453318090_Leseprobe

 

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2 Gedanken zu “Im Bann… des schlechten Stiles

  1. Huhu,

    nur mal so aus Interesse: Du hast die Vorgängerbände nicht gelesen, oder?
    Da gibts ne Vorgeschichte und auch so ne Art Erklärung: Die sind durch irgendwelche Militärexperimente alle schwer geschädigt und daher so nen bissl sexsüchtig.
    Das ist zwar nicht die einleuchtenste Erklärung, aber die, die die Reihe hergibt.

    Ich kenn das Buch selbst nicht, nur ein paar der Vorgänger (bis 6 oder 7, ich weiß gerade nicht mehr, wo ich aufgehört hab). Aber bei den Charakteren oder den allgemeinen Fehlern der Bücher stimm ich dir voll zu. Auch was oberflächtigen Sexismus angeht, steckt da ne Menge drin…
    VG Jennifer

    Gefällt mir

    1. Ich habe dir vorhergehenden Bände nicht gelesen. Eigentlich habe ich mir einfach eines der Rezensionsexemplare rausgegriffen und fand, dass man die Bücher auch ohne das vorherige Wissen lesen könne. Das mit den Experimenten und co wurde erklärt. Aber das die sexsüchtig sind hätte die Autorin nochmals schreiben können. Das Buch hier hat mir einfach zu viele Löcher, wie ein Schweizer Käse.
      Da sollte man Mal die Bücher von Deborah Harkness lesen: Inhalt, toller Schreibstil und gekonnter Witz

      Gefällt 1 Person

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